Globalisierung beschleunigt die Öffnung von Systemen, die Welt explodiert und implodiert, und die Gesellschaften mischen sich neu. Räume, Personen, Technik, Ökonomien und Ideologien werden flexibel. Im Prozess der Öffnung von Systemen entstehen neue Sensibilitäten, Entitäten und Knoten in Netzwerken sowie kulturelle Spielräume und Handlungsmöglichkeiten. "open systems" ist ein aktueller, kultureller Prozess.

Um in diesem Prozess künstlerische Freiheit und Offenheit zu initiieren, versuchen wir in der diesjährigen 6. Auflage des Festivals, ein Wechselspiel von funktionierenden Systemen, bestehenden Formationen, vorhandenem Material und Künstler-Personen in einen dynamischen Prozess zu bringen. Der Reiz liegt dabei in der Offenheit der zu erwartenden Ergebnisse: Was treibt die Entstehung von offenen Systemen voran? Wie entwickeln sich kulturelle und künstlerische Innovationen?

Dialog und Innovation ist das Motto des diesjährigen Festivals. Deshalb werden fast ausschließlich Uraufführungen, Auftragskompositionen und neue Formationen internationaler KünstlerInnen präsentiert. Gemäß dem Motto der Bewerbung der Stadt Essen zur Kulturhauptstadt 2010 "Europa lebt im Ruhrgebiet" haben wir mit unseren Partnern von "November Music" (Niederlande, Belgien) und von "grenzgänger//transmediale tanzimprovisationen" Projekte initiiert, in denen Transnationalität, Netzwerke, Experimente und Improvisationen neue Gestalt annehmen.

Zusätzlich finden im Rahmen des Festivals 2005 das Schulprojekt "Stadt, Land, Fluss - Neue Klänge aus dem Lebensumfeld Emscher" sowie der "Composers Club Local" mit KompositionsstudentInnen der Folkwang Hochschule Essen statt. Inhaltlich und theoretisch schreiben wir darüber hinaus unsere Aufsatzsammlung zum Thema "offene Systeme" fort.

Das Schulprojekt "Stadt - Land - Fluss" illustriert das Thema des Festivals auf besondere Weise. Am Beispiel des Umbaus des Flusses Emscher wird das Verhältnis von Lokalität und Globalität betrachtet. Die kulturelle Komponente in diesem Prozess von Öffnung und Dynamisierung wird von den SchülerInnen und KomponistInnen als Ausgangspunkt für eine kreative, musikalische Auseinandersetzung mit den Fragen des sozialen und kulturellen Wandels genutzt.

Neben den bewährten Spielstätten - dem Schauspielhaus Bochum und den Flottmann-Hallen Herne - kommen das neu eröffnete "Domicil" in Dortmund und die Philharmonie in Essen als Veranstaltungsorte hinzu.

"open systems" findet 2005 erstmalig im 2-jährigen Turnus statt. Die längere Vorlaufzeit und ein überschaubarer aber verlässlicher finanzieller Rahmen haben es ermöglicht, die vielen neuen Projekte zu initiieren. Außerdem ist es gelungen, weitere Sponsoren sowie WDR und DLF als Partner zu gewinnen.

Ich wünsche Ihnen anregende Festivaltage.


Karl-Heinz Blomann
open systems e.V.